Anlässlich der Woche zur Beseitigung von Armut beschäftigten sich 20 Fachkräfte aus unterschiedlichen sozialen Arbeitsfeldern mit Familien- und Kinderarmut im Kontext Kinderschutz. Im Mittelpunkt standen neben fachlichem Wissen auch die eigene professionelle Haltung und konkrete Handlungsmöglichkeiten für eine armutssensible Praxis.
Am 13. Oktober lud der SkF Freiburg zur Fachfortbildung „Armutssensibel HANDELN – Familien- und Kinderarmut im Kontext Kinderschutz“ ins Kompetenzzentrum Familie ein. Gemeinsam mit Referentin Andrea Möllmann-Bardak vertieften die Teilnehmenden ihr Wissen, hinterfragten eigene Sichtweisen und diskutierten, wie Familien, die von Armut betroffen sind, wirksam und wertschätzend unterstützt werden können.
Armut hat viele Gesichter
Armut bedeutet weit mehr als ein geringes Einkommen. Sie wirkt sich auf unterschiedliche Lebensbereiche aus – von der Wohnsituation über Gesundheit und Bildung bis hin zur sozialen Teilhabe. Die Fortbildung verdeutlichte, dass Armut strukturelle Ursachen hat und nicht als individuelles Versagen verstanden werden darf.
Ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit Kinderschutz: Armut allein ist keine Kindeswohlgefährdung. Sie kann jedoch Belastungen verstärken und die Entwicklungs- und Teilhabe-Chancen von Kindern erheblich einschränken. Umso wichtiger ist es, die Lebensbedingungen von Familien differenziert zu betrachten und Unterstützung an ihren Bedürfnissen und Stärken auszurichten.
Die eigene Haltung auf dem Prüfstand
Neben fachlichem Input stand auch die Reflexion der eigenen professionellen Haltung im Mittelpunkt: Welche Vorstellungen und Vorurteile über Armut prägen unseren Blick? Wo können Sprache, Bewertungen oder Regeln in Einrichtungen ungewollt beschämen oder Menschen ausschließen?
Armutssensibles Handeln bedeutet, Familien wertschätzend zu begegnen, ihre Bewältigungsleistungen anzuerkennen und sie an Entscheidungen zu beteiligen. Gemeinsam erarbeiteten die Teilnehmenden konkrete Ansatzpunkte, um Zugangsbarrieren abzubauen, Angebote bedarfsgerecht zu gestalten und Unterstützung ohne Beschämung zu ermöglichen.
Veränderungen brauchen mehr als gute Absichten
Lebendig, engagiert und durchaus kontrovers wurde auch über Sozialabbau und seine Folgen für besonders benachteiligte Kinder und Familien diskutiert. Dabei ging es um die Verantwortung und Handlungsspielräume auf unterschiedlichen Ebenen: im persönlichen Handeln der Fachkräfte, in den Abläufen und Angeboten sozialer Einrichtungen ebenso wie bei den politischen und strukturellen Rahmenbedingungen.
Denn armutssensibles Handeln braucht nicht nur engagierte Fachkräfte, sondern auch verlässliche soziale Angebote und gesellschaftliche Voraussetzungen, die Familien stärken und Teilhabe ermöglichen.
Unser Appell: Faire Chancen für alle Kinder und Familien
Mit der Fortbildung möchte der SkF Freiburg auf das dringende Thema Familien- und Kinderarmut aufmerksam machen und Impulse für Veränderungen setzen – in der eigenen Arbeit und darüber hinaus. Dazu gehört, die eigene Praxis kritisch zu überprüfen, Barrieren abzubauen und die Interessen betroffener Familien stärker zu vertreten.
Unser Anliegen ist klar: Kinder und Familien brauchen faire Chancen, verlässliche Unterstützung und die Möglichkeit, ihr Leben und unsere Gesellschaft mitzugestalten – unabhängig von ihrer finanziellen Situation. Dafür braucht es auch das Engagement von Politik und Gesellschaft.
Ein herzliches Dankeschön an Referentin Andrea Möllmann-Bardak und alle Teilnehmenden für den engagierten Austausch und die vielen wertvollen Impulse!
Unterstützt durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.
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